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Thomas Höchst veröffentlicht sein 9. Buch

Inklusion muss endlich gelingen

In den letzten Monaten hat sich der Schuldirektor und Buchautor Thomas Höchst gehäuft die Frage gestellt: „Ist Inklusion (schon) gescheitert, oder kann sie (noch) gerettet werden?“ Wenn gerade er sich diese Frage stellt, der selbst seit 15 Jahren beruflich wie privat für eine erfolgreiche Umsetzung von Inklusion in der Praxis kämpft, dann ist es sehr ernst um dieses Thema. Ernst um Inklusion und damit um die Umsetzung von Bildungsgerechtigkeit. Oft wird Thomas Höchst gefragt, warum er sich so intensiv mit dem Thema Inklusion auseinandersetzt, als Buchautor, Verfasser von Artikeln, in Webinaren, als Fachgutachter, als Schulleiter, in Vorträgen und Studientagen und nicht zuletzt auf den zahlreichen Charity Veranstaltungen zu Inklusion, über die wir schon berichtet haben. Zunächst hat die Antwort einen beruflichen Teil, da er Schulleiter einer großen Gesamtschule ist, die als Schwerpunktschule auch bevorzugt Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen aufnimmt. Aber es ist vor allem auch seine Lebenseinstellung, dass jeder Mensch im Leben eine echte Chance verdient hat. Seine Frage zum Scheitern von Inklusion ist nicht nur ein persönliches Empfinden, sondern wird unter anderem durch das Meinungsforschungsinstitut Forsa bestätigt. Laut deren neuesten repräsentativen Umfrage zu Inklusion mit 2.127 Lehrerinnen und Lehrern erachten 56 % der Befragten die gemeinsame Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderung grundsätzlich als sinnvoll, aber gerade mal 27% denken, dass dies auch in der Praxis sinnvoll ist, 69%! verneinen dies.

Warum aber hat man es auch 13 Jahre nach Verabschiedung der UN-Behindertenrechts-Konvention nicht geschafft, Inklusion erfolgreich umzusetzen? Warum gibt es im Gegenteil so viel frustrierte Lehrkräfte und Schulleiterinnen und Schulleiter, die es immer wieder mit viel Engagement versucht haben? Die Antwort ist so einfach wie schwierig zugleich: Die Bedingungen stimmen nicht. Thomas Höchst geht sogar noch ein Stück weiter: “Die entscheidenden Gelingensbedingungen sind noch gar nicht bekannt und alleine deshalb können Sie nicht umgesetzt werden”, urteilt er. Jedes Bundesland, jede Gewerkschaft, jeder Verband postuliert für sich, die richtigen Gelingensbedingungen umzusetzen bzw. zu fordern, die jedoch sehr unterschiedlich sind.

Diese Erfahrung macht Thomas Höchst auch in seinen zahlreichen Vorträgen und Studientagen zu Inklusion an Schulen und Universitäten in ganz Deutschland. Er erlebt in seinen vielfachen persönlichen Begegnungen fast immer eine positive Grundhaltung zu Inklusion, ebenso aber auch fast immer zahlreiche Gespräche um fehlende Gelingensbedingungen im Ressourcenbereich wie in der methodisch didaktischen Umsetzung vor Ort und der Begleitung der Schule auf ihrem inklusiven Weg.

Und dies wird auch durch zahlreiche Studien belegt, wie er in seinem neuen Buch aufzeigt. So verfolgte Herr Höchst das zentrale Thema der fehlenden Analyse und Umsetzung von Gelingensbedingungen zu Inklusion seit Monaten. Dadurch entstand der Wunsch, stärker  aktiv zu werden und diese entscheidenden Gelingensbedingungen über die persönlichen Erfahrungen hinaus zu erforschen. Und hier kam ihm der Gedanke, dass dies doch am besten dort zu untersuchen sei, wo Inklusion schon über einen längeren Zeitraum  erfolgreich umgesetzt wird, nämlich an den dafür ausgezeichneten Gewinnerschulen des Jakob-Muth-Preises, dem größten deutschen Inklusionspreis. Dort müssen doch die Gelingensbedingungen stimmen. Wie sonst könnten diese Schulen ansonsten so erfolgreich Inklusion umsetzen. Thomas Höchst überlegte, dass es doch möglich sein sollte, die Bedingungen dieser Schulen zu erforschen und zu analysieren, um dann wahrscheinlich Gemeinsamkeiten herauszukristallisieren, die für eine erfolgreiche inklusive Schulpraxis notwendig sind. Daraus entstanden das Ansinnen und der Titel seines neuen Buches. Anfangs hatte er diesen Forschungsansatz als Promotionsmöglichkeit im Auge. Alles war vorbesprochen und vorstrukturiert, als dann allerdings die Covid-Pandemie kam und seine Aufgaben als Schulleiter “explodierten” und ihm nur noch wenig Freizeit ließen. Den aus seiner Sicht aber hoch interessanten Ansatz, die Gelingensbedingungen an der erfolgreichen inklusiven Schulpraxis zu analysieren, ließ ihm aber nicht los. Er verfolgte den Gedanken weiter und analysierte drei Jahre lang Bücher, Studien und Zeitschriften, setzte sich intensiv mit dem Leben und pädagogischen Wirken von Jakob Muth auseinander und führte eine umfangreiche Befragung der Gewinnerschulen des Jakob-Muth-Preises durch. Die Ergebnisse und die Gespräche, die er führen durfte, haben für Thomas Höchst eine hohe Aussagekraft und stimmen weitgehend mit seinen eigenen langjährigen Erfahrungen überein. Sie waren die Grundlage einer weiteren Befragung, um zu schauen, inwiefern angehende Lehrerinnen und Lehrer auf diese notwendigen Gelingensbedingungen hin vorbereitet werden. Und er noch einen Schritt weiter: Aus seiner jahrelangen Beschäftigung mit Inklusion, den Erkenntnissen seiner aktuellen Untersuchung und den vielfachen Gesprächen mit Lehrkräften und Schulleiterinnen und Schulleiter zieht Thomas Höchst in seinem Buch Schlüsse, wie die Lehrer Aus- und Fortbildung sowie die Begleitung der Schulen aussehen muss, damit die in diesem Buch erforschten Gelingensbedingungen umgesetzt werden können. Dabei geht es vor allem darum, alle zuständigen Menschen und Gruppierungen an einen Tisch zu bringen, mit dem Ziel:  “Maßnahmen festlegen, auf die man sich (schnell) einigen muss, eine Verortung dieser Maßnahmen, wer, was, wann mit wem, Übergänge zu schaffen, u.v.m. und dies alles in der Koordination einer zuständigen Behörde / Institution zu verankern”. Am wichtigsten ist Thomas Höchst der Blick in die Zukunft. Er möchte einen kleinen Teil dazu beitragen, das Thema Inklusion, das fast vergessen ist, wieder in den Vordergrund zu rücken. Deshalb ruft er alle auf, sich kritisch mit seinen Erkenntnissen und Vorschlägen auseinander zu setzen, die es seiner Meinung nach Wert sind. Oder, wie er es nennt: “Jeder hat im (Schul)Leben eine Chance verdient, am besten eine echte. Ohne Inklusion ist dies nicht möglich.”

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