nach oben

Großereignis im Zeichen der Inklusion

Die Special Olympics Nationale Spiele 2026 am Sportzentrum Erbach

09.07.2026

  •  1.	6082	Die Judo-Athleten Henry Unterseher und Valmaar Kuul zusammen mit dem erfahrenen Erbacher Judo-Kampfrichter Paolo D´Alberto auf der Matte
  • v.r.n.l.: Dustin Hartmann 3. Platz (Lebenshilfe Nordrhein-Westfale), Bastian Wind 1. Platz (Budokan Hünxe e.V.), Bürgermeister Manfred Rippel, Marko Gergely 2. Platz (SO Hungary), Dr. med. Michael Moses Arndt (Mitglied im Deutschen Bundestag)
  • Der Aufbau des Labyrinths

Im Rahmen der Nationalen Spiele der Special Olympics Deutschland 2026 verwandelte sich das Sportzentrum im Homburger Stadtteil Erbach in ein sportliches und organisatorisches Großprojekt. Das Event bot neben sportlichen Höchstleistungen auch außergewöhnliche logistische und gemeinschaftliche Initiativen, offenbarte jedoch im Detail auch organisatorische Hürden und logistische Herausforderungen. 

In der Erbacher Sporthalle standen die Judo-Wettbewerbe im Zentrum der Aufmerksamkeit. Trotz erschwerter Bedingungen durch sommerliche Hitze und eine unzureichende Belüftung in der Halle zeigten die Athleten über vier Tage hinweg kontinuierlich Höchstleistungen. Geprägt wurden die Wettkämpfe durch ein spezielles, feinsinnig abgestimmtes Regelwerk, das eine exakte Kategorisierung nach Einschränkung und Gewicht vorschrieb, sodass beispielsweise bestimmte Bodenkämpfe ausschließlich im Knien ausgetragen wurden. Einer der vielen mitwirkenden Akteure hinter den Kulissen und selbst auf der Matte war Paolo D’Alberto. Der 82-Jährige, der als Mitbegründer der Judo-Sparte beim ehemaligen TSV Erbach gilt, blickt auf eine 54-jährige Karriere als Kampfrichter zurück. Nach Stationen von der Bundesliga bis zur Deutschen Meisterschaft bezeichnete D’Alberto die Special Olympics in Homburg als den absoluten Höhepunkt seines sportlichen Lebenswerkes, auf den er sich mit seinen Kollegen ein halbes Jahr lang intensiv vorbereitet hatte. Das Judo-Orga-Team zog insgesamt eine durchweg positive Bilanz: Neben dem sportlichen Erfolg im Erbacher Sportzentrum stand vor allem das inklusive Miteinander und der fehlerfreie, verletzungsarme Ablauf der Kämpfe im Fokus. Bei den Medaillenverleihungen standen auf dem Siegertreppchen unter anderem Dustin Hartmann (3. Platz, Lebenshilfe Nordrhein-Westfalen), Marko Gergely (2. Platz, SO Hungary) und Bastian Wind (1. Platz, Budokan Hünxe e.V.). Bürgermeister Manfred Rippel und Dr. med. Michael Moses Arndt, Homburger und Mitglied im Deutschen Bundestag, übernahmen am letzten Tag der Wettkämpfe die Ehrungen der Judo-Athleten (Oberbürgermeister und Erbacher Michael Forster war im Urlaub, so hörte man jedenfalls).

 


Ein markanter Anziehungspunkt bei der fast einwöchigen Veranstaltung war das Großlabyrinth "LOST in Homburg" im Außenbereich, das aus über 10.000 Getränkekisten der Karlsberg Brauerei errichtet wurde. Die Anlage wies eine beeindruckende Wandhöhe von 2,20 Metern sowie eine Gesamtlaufstrecke von 650 Metern auf. 

Ohne die Unterstützung der lokalen Wirtschaft und ehrenamtlicher Helfer hätte das Projekt die städtischen Finanzen massiv belastet. Während die regulären Kosten auf über 50.000 Euro geschätzt wurden, reduzierte sich der tatsächliche Aufwand für die Stadt und die Homburger Parkhaus- und Stadtbusgesellschaft mbH (HPS) durch Sach- und Dienstleistungssponsoring auf rund 10.000 Euro, die primär für die notwendige Nachtwache und die Überwachung aufgewendet werden mussten. Das reine Kistenpfand in Höhe von 15.000 Euro floss nach der Veranstaltung wieder vollständig zurück. 

Am Aufbau und der Absicherung beteiligten sich zahlreiche Akteure:

Feuerwehr: Helfer der Freiwilligen Feuerwehr unterstützten den mehrtägigen Aufbau. Zur Sicherheit der Kinder im Labyrinth überwachte das Drohnenteam der Freiwilligen Feuerwehr aus Kirrberg das Areal kontinuierlich aus der Luft. 
Firma Omlor: Lieferte die notwendigen Schüttgüter für das Areal. 
Firma Ferraro: Übernahm die Einebnung der Schotterfläche. 
Firma Bauer: Unterstützte den konstruktiven Aufbau der Anlage. 
Spedition Schörndorf: Übernahm kostengünstig die gesamte Transportlogistik. 
Kinder- und Jugendbüro: Stationierte geschultes Betreuungspersonal an den fünf Erlebnisstationen im Inneren des Labyrinths. 

Weiter genannt werden, dürften die vielen anderen Beteiligten und/oder Sponsoren der Aktion: Schilder Kawolus, Elektrotechnik Diehl, Wasgau, PBY, WohnBau, KOI, BB Massivbau GmbH, Feuerwehr Homburg, Kaufhaus Brinkmann, Gelat!Oh, Baubetriebshof Homburg, Kinder- und Jugendbüro, Römermuseum, Schlossberghöhlen, Hochbautrupp Stadt Homburg sowie die Abteilung Brand & Zivilschutz Stadt Homburg und alle weiteren, die hier eventuell vergessen wurden zu erwähnen. Vielen Dank hierfür!

Kritikpunkte ergaben sich jedoch im Bereich der Nachhaltigkeit und der Logistik. Für die Fixierung der leeren Getränkekisten, die das Labyrinth bildeten, mussten 40.000 Kabelbinder verwendet werden, die nach der Demontage als reiner Müll fachgerecht entsorgt werden mussten. Positiv schlug dagegen zu Buche, dass die genutzten Holzbretter im Anschluss direkt zur Folienbeschwerung auf das Dach der Erbacher Sporthalle wanderten. Ein weiterer Wermutstropfen betraf die Mobilität der jüngsten Besucher: Während Homburger Grundschulen problemlos mit Bussen anreisen durften, war dies den Kindergärten aus versicherungsrechtlichen Gründen untersagt, sodass diese den Weg zum Sportzentrum komplett zu Fuß zurücklegen mussten. Als ehrenamtliches Fundament sorgte die lokale Erbacher Vereinslandschaft für einen reibungslosen Ablauf der Großveranstaltung. Federführend hier war die Sportgemeinde Erbach (SG Erbach) mit Freunden und Gönnern des Vereins. An allen Veranstaltungstagen zeichnete sich die SG Erbach für die Bewirtung verantwortlich. Mit einer Vielzahl an ehrenamtlich helfenden Vereinsmitgliedern besetzte die Sportgemeinde unermüdlich die Grill-, Eis- und Getränkestände auf dem Gelände. Dieses zivilgesellschaftliche Engagement bildete das Rückgrat der Veranstaltung und stellte sicher, dass sowohl die Athleten als auch die zahlreichen Besucher und Schulklassen durchgehend versorgt werden konnten. 

Letztlich zeigte die Veranstaltung am Sportzentrum auf, dass durch das Ineinandergreifen von städtischen Gesellschaften, Wirtschaft und engagiertem Ehrenamt ein inklusives Großevent realisiert werden konnte, das trotz vereinzelter organisatorischer Reibungspunkte eine hohe integrative Wirkung entfaltete. Text: Chris Ehrlich



Bilder: Chris Ehrlich
zur Übersicht

Sie möchten eine Werbeanzeige schalten?

Rufen Sie uns gerne unter +49 (0) 68 41 / 61 40 5 an oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

Bagatelle

Die Homburger Stadtzeitung


Seit Oktober 2019 bieten wir Ihnen auch an, die Bagatelle online zu lesen. Klicken Sie einfach auf den unten stehenden Link, um dann kostenfrei die Bagatelle als PDF lesen zu können. Um künftig noch schneller und aktueller zu sein, werden wir auch online für Sie noch präsenter sein. 

Viel Spaß wünscht Ihnen das Team der Homburger Stadtzeitung!

Online-Ausgabe  
© 2026 - Bagatelle Homburg
Datenschutz       Impressum