nach oben

Das sind die 10 größten Irrtümer und Mythen im Arbeitsrecht

Rund um den Arbeitsvertrag und das Arbeitsrecht ranken sich viele Mythen. Ist es eigentlich erlaubt, über das Gehalt zu sprechen ? Darf man in der Probezeit Urlaub nehmen ? Und: Wie war das gleich nochmal mit der Kündigungsfrist ? 

Der Arbeitsvertrag regelt die Bedingungen eines Arbeitsverhältnisses. Wenn es zum Streit zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber kommt, gilt er als Grundlage, um Konflikte zu lösen. Damit es vielleicht gar nicht soweit kommt, möchte ich mit einigen Irrtümern aufräumen. In dem Ranking werden die 10 größten Irrtümer und Mythen rund um den Arbeitsvertrag und das Arbeitsrecht präsentiert.
 
1.    Kündigung: Mündlich, per E-Mail oder WhatsApp ?
Egal, ob sie vom Arbeitgeber oder Arbeitnehmer ausgeht: Die Kündigung muss laut Gesetz schriftlich erfolgen, das heißt in Papierform und mit Unterschrift. Mündliche Kündigungen oder Kündigungen per E-Mail oder WhatsApp sind demnach nicht gültig.
2.    Der Arbeitsvertrag muss schriftlich abgeschlossen werden
Stimmt nicht ! In puncto Arbeitsvertrag besteht nämlich Formfreiheit. Das heißt, dass Arbeitsverträge auch mündlich geschlossen werden können. Selbst bei der stillschweigenden Aufnahme einer Tätigkeit liegt ein wirksames Arbeitsverhältnis vor – auch wenn kein schriftlicher Arbeitsvertrag existiert.
Nach der Aufnahme der Tätigkeit muss der Arbeitgeber jedoch spätestens nach einem Monat schriftliche Vertragsbedingungen aushändigen. Dies geht aus der sogenannten Nachweispflicht hervor.
3.    In Vorstellungsgesprächen müssen Bewerber die Wahrheit sagen
Nein, muss man nicht. Alle Fragen, die mit der potenziellen Tätigkeit zu tun haben, beispielsweise zu Qualifikationen, Kompetenzen oder dem Werdegang, sollten Bewerber:innen jedoch wahrheitsgemäß beantworten. Falsche Aussagen können in diesem Zusammenhang sogar rechtliche Konsequenzen haben.
Es gibt aber auch Fragen, die Arbeitgeber nicht stellen dürfen oder sollten. Das gilt vor allem für Privatangelegenheiten, die nichts mit dem Beruf zu tun haben – beispielsweise Kinderwunsch, politische Einstellungen oder Beziehungen.
Das Persönlichkeitsrecht setzt dem Arbeitgeber dabei Grenzen. Bewerber:innen müssen solche Fragen nicht beantworten. Sie haben sogar das Recht, Fragen dieser Art mit einer Lüge zu beantworten, ohne dass sie rechtliche Konsequenzen fürchten müssen.
4.    In der Probezeit ist jederzeit eine fristlose Kündigung möglich
Nein. Für eine fristlose Kündigung braucht es immer einen besonderen Grund – auch in der Probezeit. Das gilt sowohl für den Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer. Gründe für eine fristlose Kündigung können beispielsweise Straftaten, Mobbing oder Arbeitsverweigerung sein. In der Probezeit beträgt die Kündigungsfrist jedoch nur zwei Wochen.
5.    Ärztliches Attest muss bei Krankheit nach drei Tagen vorliegen
Laut Besetz müssen Beschäftigte spätestens am vierten Tag der Arbeitsunfähigkeit eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen. Der Arbeitgeber hat allerdings das Recht, bereits am ersten, zweiten oder dritten Tag der Arbeitsunfähigkeit ein ärztliches Attest zu verlangen.
6.    Arbeitsvertrag: In der Probezeit darf man keinen Urlaub nehmen
Falsch ! Beschäftigte können auch in der Probezeit Urlaub nehmen. Pro vollem Monat steht Angestellten dabei ein Zwölftel des Jahresurlaubs zu. Der komplette Jahresurlaub kann daher jedoch nicht in der Probezeit genommen werden. Den vollen Urlaubsanspruch erhalten Beschäftigte nämlich erst, wenn sie sechs Monate im Unternehmen sind.
7.    Über das Gehalt darf man nicht sprechen
Doch, über das Gehalt darf man sprechen. Potenzielle Vorschriften über das Thema Gehalt zu schweigen, sind irregulär. Denn seit 2017 ist das Entgelttransparenzgesetz in Kraft. Es soll für mehr Transparenz in Sachen Entgelt sorgen – vor allem zwischen Männern und Frauen.
Es spricht Beschäftigten sogar einen individuellen Anspruch auf Auskunft zu und soll ungleicher Bezahlung entgegenwirken. Im Arbeitsvertrag gibt es wiederum anderweitige Verschwiegenheitsvereinbarungen, die legitim sind. Unternehmen können ihre Angestellten beispielsweise dazu verpflichten, Betriebsabläufe geheim zu halten.
8.    Resturlaub mit ins neue Jahr nehmen
Wer glaubt, dass man Resturlaub problemlos mit ins neue Jahr nehmen kann, der irrt. Denn grundsätzlich sollten alle Angestellten ihren Jahresurlaub innerhalb des jeweiligen Kalenderjahres nehmen.
Eine Übertragung auf das folgende Jahr ist laut Bundesurlaubsgesetz nur möglich, wenn Beschäftigte ihren Urlaub aus dringenden persönlichen oder betrieblichen Gründen nicht wahrnehmen konnten. Darunter fallen beispielsweise Krankheit oder Personalmangel.
Wenn Urlaub aus dringenden Gründen übertragen wird, müssen Angestellte ihn in der Regel bis zum 31. März des folgenden Jahres nehmen. Es ist jedoch auch eine individuelle Absprache möglich.
9.    Wer im Urlaub krank wird, hat Pech gehabt
Wenn Angestellte im Urlaub erkranken und theoretisch arbeitsunfähig werden, gilt der Urlaub als nicht genommen. Die Urlaubstage verfallen dann nicht, sondern der Arbeitgeber muss sie zu einem späteren Zeitpunkt gewähren. Damit dieser Fall eintritt, müssen Betroffene ihrem Arbeitgeber jedoch eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zukommen lassen.
10. Arbeitsvertrag: Überstunden sind mit dem Lohn abgegolten
Das stimmt nicht. Wenn ein Arbetisvertrag Klauseln beinhaltet, die aussagen, dass Überstunden nicht extra bezahlt werden, ist diese ungültig. Das gilt auch für Formulierungen wie „übliche Überstunden“, „Überstunden in angemessenem Rahmen“ oder „in geringem Umfang“.
Im Jahr 2010 hat das Bundesarbeitsgericht dazu erklärt, dass für Angestellte anhand solcher Klauseln nicht ersichtlich ist, worauf sie sich einlassen. Es gibt keine eindeutige Regelung dazu, ob, wann und wie viele Überstunden geleistet werden müssen. Eindeutige Formulierungen wie „10 Überstunden im Monat werden mit dem Gehalt abgegolten“, sind wiederum zulässig.
 
 

zur Übersicht

Sie möchten eine Werbeanzeige schalten?

Rufen Sie uns gerne unter +49 (0) 68 41 / 61 40 5 an oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

Bagatelle

Die Homburger Stadtzeitung


Seit Oktober 2019 bieten wir Ihnen auch an, die Bagatelle online zu lesen. Klicken Sie einfach auf den unten stehenden Link, um dann kostenfrei die Bagatelle als PDF lesen zu können. Um künftig noch schneller und aktueller zu sein, werden wir auch online für Sie noch präsenter sein. 

Viel Spaß wünscht Ihnen das Team der Homburger Stadtzeitung!

Online-Ausgabe  
© 2022 - Bagatelle Homburg
Datenschutz       Impressum